Was ist mobile Dokumentation? – Konzeption

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In den ersten Teilen wollten wir offene Gedanken austauschen und zur Diskussion zum Begriff mobile Dokumentation anregen. Nun im folgenden und letzten Theorieteil wollen wir die Basis betrachten. Aufgrund der bisherigen Darstellung legen wir deshalb nun noch Fokus auf die Konzeptionsphase.

Es ist wichtig, ausreichend Verstand und Aufwand in die Zielgruppenanalyse und in die Konzeption zu investieren. Nur wenn klar ist, wie genau die Zielgruppe und deren Dokumentations- und Produktnutzung aussieht, können wir wissen oder mutmaßen, was sie braucht, sich wünscht oder welche Medien sie bevorzugt. Die ideale Dokumentation unterstützt den Nutzer und weiß, wie er zu seinen Informationen schnellstmöglich gelangt und welche Informationen, er in welchem Kontext/Situation benötigt. Die Konzeption dafür bedingt somit Ausgestaltung – ein gutes Konzept ist aus diesem Grund sehr wichtig.

We love Metadaten

Ein entscheidender Vorteil in diese Gedanken einzusteigen, ist zu wissen, wie Informationssysteme und deren Datenverarbeitung funktionieren und ablaufen oder einen groben Überblick darüber zu haben – gerade was die Metadatenverarbeitung betrifft. Die heutigen Nutzer sind oftmals „Google-verwöhnt“, sie übertragen dieses Verhalten auf ihre Erwartungen. Durch die mögliche Sammlung sämtlicher Nutzungsdaten im Hintergrund, ist ein gutes Profil des Nutzers identifizierbar und es ist leichter, ihm die gewünschte Information anbieten zu können.

Die Konzeption von Inhalten rückt so vom Content-Management zum Content-Delivery und das nicht nur von einer Quelle in verschiedene Medien, sondern eher in ein Delivery on demand. Im Optimalfall mit der direkten Anbindung an die Ausgabestelle bzw. Eingabestelle der Autoren z. B. als CMS. Gleichzeitig wird daher auch intelligent Content oder Content 4.0 gefordert, um nutzerspezifische Inhalte und die entsprechenden Informationsobjekte zu identifizieren und bei Abfrage bereitstellen zu können. Durch die Vernetzung von Informationen aus verschiedenen Quellen in Kombination mit der Kenntnis und der Auswertung von Nutzerdaten, können wir Nutzer gezielt zu gesuchten Informationen leiten. (vgl. Günter 2016:44f.)

Content 4.0

Wenn wir uns an den Zielen der Bundesregierung zum Thema Industrie 4.0 orientieren, könnten wir diese Art von Doku und vor allem Bereitstellung von Informationen (denn das ist ja schlussendlich der Kern davon) Doku 4.0 oder Content 4.0 nennen.

[..] Sie ist gekennzeichnet durch eine starke Individualisierung der Produkte unter den Bedingungen einer hoch flexibilisierten (Großserien-) Produktion. (Bundesministerium für Bildung & Forschung, o.J.)

Diese Veränderungen muss die Dokumentation mittragen bzw. mittragen können. Um vorliegende oder zu erstellende Informationen auf diese Weise nutzen zu können, müssen wir sie mit möglichst viel Wissen (Metadaten) ausstatten. Dieses kann intrinsischer Art oder extrinsischer Art sein (vgl. Ziegler 2011:364f.). Ein gutes Metadatenkonzept, an die Nutzer angepasst, muss dafür vorhanden sein.

Wir wollen – sofern Daten strukturiert bzw. in einem CMS vorliegen – ausgehend von einem soliden Konzept den Fokus auf die Datenverarbeitung und die mögliche Art mithilfe von Metadaten legen und in den anschließenden Beiträgen praktisch veranschaulichen.

Ziele definieren und prüfen

Wie bereits erwähnt, gibt es für uns diese eine klar aussehende mobile Dokumentation nicht, von dieser Benennung hat in gewisser Weise jeder was Eigenes im Kopf. Informationen sollen den Nutzer unterstützen, im Idealfall an ihm und sein Wissen orientiert sein und im Kontext die “richtigen” Inhalte liefern.

Um die rechtlichen Anforderungen zu berücksichtigen, muss man teilweise zweigleisig fahren, denn oftmals geben Richtlinien oder Normen Inhaltsbereiche klar vor – oder Zielgruppen und damit auch Bedürfnisse unterscheiden sich stark. Durch den Einsatz eines CMS und der Verwaltung in einer Quelle ist es jedoch kein Problem, Informationen einfach vorzuhalten – auch in verschiedenen Varianten – und mehrfach an verschiedenen Stellen zu verwenden oder auszugeben.

Es gibt immer noch zusätzliche Methoden oder Elemente mit denen Nutzer unterstützt werden können (E-Learning, Quiz, Augmented Reality, etc…). Es muss allerdings immer im Einzelnen analysiert und geprüft werden, welcher Einsatz sinnvoll und passend ist. Zuletzt spielen auch Budget und vor allem das Kosten-Nutzen-Verhältnis eine entscheidende Rolle für die Ergänzung der Dokumentation.

Technologien für Add-ons

Zum Schluss wollen wir noch Anreize für den möglichen Einsatz ergänzender Add-ons geben. Auch diese müssen auf einem ausgereiften Konzept aufsetzen. Folgende Technologien können bei der Darstellung von Informationen Einsatz finden (Auszug):

  • Multimedia
  • Wissensvermittlung
    • E-Learning
    • Quiz
    • Gamification
  • Tutorials
    • Frameworks
    • Tools (z. B. Captivate)
  •  Suche
    • Facettierung
    • Volltextsuche
    • Vorschläge (ähnliche Suchen)
    • Historie
    • Favoriten
    • FAQ (z. B. aus häufigen Supportanfragen)
  • Physical-World-Connection
  • Hilfe in das Produkt integriert (z. B. Display)
  • Publishing-Konzepte
    • XML/XSL
    • Prozessautomatisierung (z. B. XML-Daten in Web-App publiziert durch Skriptverarbeitung)

Um die Grundlagen im Bereich strukturierter Daten nachvollziehen zu können, fangen wir im nächsten Beitrag bei der Basis (XML und XSLT) an. Als erstes Beispiel wollen wir die automatisierte Erstellung einer “mobilen” Dokumentation präsentieren.

Ausblick & Fazit

Technische Redakteure finden vielleicht in Zukunft weniger Einsatz, um Produkte lediglich zu dokumentieren. Sie werden zukünftig immer mehr zu Informationsentwicklern sowie -strategen und könnten durch frühzeitige Einbindung die Produktentwicklung und damit letztendlich die Produkt-Usability unterstützen. Weiterhin können sie durch die Informationsaufbereitung eine gute Schnittstelle für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit sein, denn Beide benötigen gleiche Ausgangsinformationen.

Egal welches Konzept oder welche Technologie(n) zum Einsatz kommt, wichtig ist, die Zielgruppe zu beachten. Manchmal ist es nicht nötig, die neuesten Technologien einzusetzen, wenn die Akzeptanz der Zielgruppe nicht vorliegt. Wenn man sich unsicher ist, ist es ratsam ein Pilotprojekt mit Kundenbefragung durchzuführen und Kunden frühzeitig einzubinden. In jedem Fall sollte eine neue Doku-Art immer ausreichend getestet werden (Usability-Test), bevor sie ausgerollt wird.

 

Quellen:

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