Was ist mobile Dokumentation? – Offene Gedanken

Mobile Dokumentation - Titelbild

Wir haben uns mit dem Thema mobile Dokumentation etwas genauer befasst und auseinandergesetzt. Mit einer mehrteiligen Beitragsreihe wollen wir Gedanken und unsere Sichtweise skizzieren und zur Diskussion anregen. „Mobile Doku“ ist ein Buzzword in der Doku-Branche, mit dem alle etwas anfangen können, aber irgendwie nicht richtig definiert werden kann oder am Ende doch jeder für sich etwas Anderes darunter versteht. Ergänzend wollen wir am Ende mögliche Technologien nennen und Beispiele zeigen.

Begriffsabgrenzung (Versuch)

Da wir uns dem Kernthema mobile Dokumentation verschrieben haben – ohne damals tatsächlich festzulegen, was das für uns ist – haben wir nun versucht, eine Definition auszuarbeiten bzw. uns mit der Definierung der Benennung beschäftigt. Denn irgendwie hat jeder einen anderen Begriff oder eine andere Vorstellung von „mobiler Doku“ im Kopf. Vielleicht kann es auch keine allgemeingültige Definition geben und die mobile Dokumentation ist immer etwas produkt- und zielgruppenabhängig?

Fangen wir von vorne an. Zuerst betrachten wir die Benennung Dokumentation. Dokumentation ist zunächst “die Nutzbarmachung von Informationen zur weiteren Verwendung”. (wikipedia)
Eine (technische) Dokumentation ist zum einen die Beschreibung eines Produktes oder Vorganges – technische Eigenschaften inkludiert – zum anderen gibt es speziell in der Bedienung handlungsanleitende Texte, um Nutzer zu befähigen, das Produkt zu bedienen. Hier sollten diejenigen, die das Gerät beschreiben sollen, frühzeitig eingebunden werden. Denn ihre Auseinandersetzung mit dem Produkt und der Beschreibung der Funktionen kann auch die Produktentwicklung unterstützen, das Produkt für den Anwender noch einfacher zu gestalten, als oft am Ende Vorgänge kompliziert erklären zu müssen.

Die Benennung mobil umfasst laut Duden die Beweglichkeit und Ungebundenheit einer Sache. Als Synonyme werden ähnliche Benennungen aus diesen Bereichen gelistet: zum Beispiel „beweglich, tragbar, transportabel oder anpassungsfähig“.
Betrachtet man diese Definition genau, geht es tatsächlich bei mobil, um die Ortsunabhängigkeit und die Bewegungsmöglichkeit einer Sache. Doch was schwebt uns Allen eigentlich genau im Kopf unter mobil vor? Was assoziieren wir damit? Wenn es tatsächlich nur die Unabhängigkeit betrifft, so wäre die mobile Dokumentation als ausgedrucktes Handbuch oder als PDF dargestellt auf einem mobilen Endgerät abgedeckt. Wir haben den Eindruck hinter der Verwendung steckt mehr, unberührt von der Beachtung normativer Vorgaben einer Dokumentation.

Bei der tekom wird bei mobiler Dokumentation teilweise von „[der] Darbietung von Technischer Dokumentation auf mobilen Endgeräten“ gesprochen. In den meisten Fällen wird in Unternehmen dafür die browser-basierte App bevorzugt. So sprechen wir dabei eigentlich von einer „Doku-App“. Ergänzt wird diese Sichtweise verschiedener Autoren des zitierten tekom-Bandes mit Aussagen wie „zeit- und ortsunabhängige[r] Nutzbarkeit von kontextbezogenen Informationen“, „[situationsgerechte] Produktinformationen […] verfügbar zu haben“ gepaart mit anderen methodischen Ansätzen zur Wissensvermittlung wie Micro-Learning oder Gamification, um Potentiale der digitalen oder mobilen Darstellung zu ergänzen und zu optimieren. (vgl. tekom-Band 19, 2014:7) Resümierend steht bei den Autoren dennoch primär die Darstellungsweise der Informationen im Vordergrund und erklärt die Verwendung mobil.

Grundsätzlich ist dem zuzustimmen – je nach Zielgruppe und Einsatzumgebung. Wir haben uns damals bei der MobDok-Gründung auch mehr oder weniger an das Modewort drangehängt, ohne klar zu definieren, was mobile Dokumentation ist. Für uns war es auf jeden Fall immer etwas Anderes als die klassische Print- oder PDF-Anleitung und auf jeden Fall etwas, was den Nutzer einen Vorteil und Mehrwert in der Verwendung bringt. Hinesley schrieb schon 2012 im Comet-Kundenmagazin:

“mobile Dokumentation” [steht] mehr für eine Idee als für ein fertiges Konzept (Hinesley 2012:10)

Und so verhält es sich auch mit dem Namen und der aktuellen Benennung. So stand etwa zunächst primär die mobile Nutzbarkeit von Dokumentationen im Vordergrund, mittlerweile stellt man sich wohl aber noch mehr darunter vor und die Technologien sowie technischen Möglichkeiten entwickeln sich ständig weiter. Mit der hinzukommenden Weiterentwicklung und Veränderung unserer Denkweisen, werden sich auch die Erwartungen an die Informationsvermittlung verändern.

Wir wollen in der Informationsvermittlung noch einen Schritt weitergehen, denn nur in einigen Fällen, Einsatzszenarien und bei einigen Zielgruppen bringt allein die mobile Darstellung schon einen unheimlichen Mehrwert. In den anderen Fällen steht die Bereitstellung und somit die Informationsarchitektur bzw. das Informationsmodell und somit die Informationsausgabe von benötigten Informationen vielmehr im Vordergrund als die Tatsache der mobilen Darstellung. Manche sprechen hier auch von intelligenter Information oder intelligent Content. In diesem Fall wäre die Benennung „mobile Doku“ unpassend.

2014 haben wir mobile Dokumentation wie folgt definiert:

Mobile Dokus sind für uns nutzergerechte Darstellung von Informationen auf einem mobilen Endgerät.

Dies kann eine klassische Bedienungsanleitung sein, aber auch unterstützende Anwendungen wie 3D-Darstellungen oder eine Kombination aus verschiedenen Möglichkeiten. (MobDok 2014)

Hier müsste genauer definiert werden, wie die nutzergerechte Darstellung erreicht werden kann bzw. welche Faktoren da reinspielen.

Zwischenfazit

Was die Benennung angeht, muss unterschieden werden, von welcher Betrachtungsweise die Dokumentation beäugt wird. Wenn es um die reine Darstellung geht, ist die Verwendung der digitalen Dokumentation oder e-Doku/ eDoku nicht schlecht. Wenn wir uns in Fachkreisen aber zum Beispiel der Datenverarbeitung und Informationsaggregation zuwenden, kann je nach Prozess von einer smarten Doku oder Doku 4.0 gesprochen werden – je nachdem was im Hintergrund mit den Doku-Daten und den Nutzer- bzw. Umgebungsdaten passiert. So etwas Intelligente Doku zu nennen, wäre heutzutage übertrieben, schlussendlich kann eine Dokumentation auch nicht intrinsisch intelligent sein. Wenn wir als Letztes den Blickwinkel der Nutzer betrachten, ist vermutlich die Benennung der smarten Dokumentation eine verständliche und angemessene Benennung. (Bei dem was wir bisher unter “mobile Doku” einschlossen.)

Smart meint dann in diesem Zusammenhang, dass der Nutzer effizient und möglichst intuitiv die gewünschten Informationen findet. Das kann auf dem Papier durch Verzeichnisse und Indexe geschehen, auf einem mobilen Endgerät oder in ein Produkt integriert (Display) durch eine gute Benutzerführung, eine entsprechend gute Informationsarchitektur und ggf. unter Berücksichtigung der vorliegenden Nutzungsdaten (z. B. Suchverhalten, Umgebung, usw.). Anwender und ihre Bedürfnisse stehen im Vordergrund. Die optimale Nutzerunterstützung ist immer abhängig vom Nutzer, dem Produkt und der Umgebung, in der das Produkt eingesetzt wird. Smart hat sich gerade auch im Consumer-Bereich schon etwas durchgesetzt, zum Beispiel durch die Smart-Home-Systeme – obwohl in den Bereichen connected eigentlich besser passen würde, da ja die Vernetzung und vernetzte Kommunikation untereinander im Vordergrund steht.

Es kann aus diesen Gründen nur versucht werden, den Begriff einzugrenzen oder dem Begriff eine eindeutigere und motivierte Benennung zu geben. Es ist gar nicht so einfach, die Grenzen abzustecken und eine Abgrenzung zu finden. Wie die Weiterentwicklung der eingesetzten Technologien muss auch der Begriff damit wachsen können und kann immer wieder neu definiert oder angepasst werden. Eine allgemeingültigere Bezeichnung als mobil ist aber für die Zukunft empfehlenswert.

 

Quellen:

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